Das ISG

Das ISG ist schief! Oder raus…

Das ISG, auch bekannt als Kreuzdarmbeingelenk (Iliosacralgelenk), scheint immer noch recht populär zu sein. Beckenschiefstände werden damit oft in Verbindung gebracht.

Ich möchte in diesem Artikel das ISG in Rente schicken und auch erklären, warum.

Um zu verstehen was das ISG überhaupt ist und wie beweglich es denn wirklich ist, sehen wir uns das Becken und das Kreuzbein an, woraus das ISG gebildet wird.

Seitliche Ansicht des Beckens vom Pferd:

 

Becken Beschriftet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von unten ist das Kreuzbein in das Becken eingebettet.

Sacrum

 

 

 

Kreuzbein 

 

 

 

 

 

 

Zusammengefügt sieht das dann so aus:

Ansicht von oben:

 

ISG von oben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Verbindungsstelle, an welcher das Kreuzbein an das Becken trifft, das ist das ISG. Sozusagen die „gelenkige“ Verbindung von Becken und Kreuzbein.

ISG oben seitlich ISG vorne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellt man sich nun die Muskelmassen drum herum vor, wird einem sehr schnell klar das man das ISG nicht palpieren kann. Und selbst die vielen Bewegungsmöglichkeiten, von welchen ich immer wieder höre, sind einfach nicht möglich. Es findet lediglich eine minimale Abfederungsbewegung statt. Aber warum?

Der biomechanische Hintergrund ist folgender:

Am Kreuzbein ruht die gesamte Last der Wirbelsäule. An der Wirbelsäule hängt der Bauch und der Brustkorb. Somit wird die Kreuzbeinbasis mit einigen hundert Kilo belastet. Die Verbindungsstelle von Kreuzbein und Becken hat aber keine „Verankerung“ im klassischen Sinn. Die dort vorhandenen Bandsysteme allein können das Gewicht einfach nicht halten.

Die Kreuzbeinbasis muss also in das Becken gepresst werden, damit es nicht einfach nach unten wegrutscht. Diese Aufgabe übernehmen Muskeln. U.a. die großen Sitzbeinmuskeln. Hinzu kommt der Druck des jeweiligen Standbeines welcher auf das Kreuzbein übertragen wird. Es darf also gar keinen großen Bewegungsumfang geben, bis auf das Abfedern. Anderenfalls würde das „Gestell“ keinen Halt haben.

Woher kommt es dann zu den sogenannten Beckenschiefständen?

Wenn man sich die Anatomie etwas genauer betrachtet, wird man feststellen dass viele große Muskeln rund um das Becken ansetzen. Und diese können natürlich die Stellung des Beckens verändern. Es gibt Muskeln welche vom Knie zum Hüfthöcker ziehen, es gibt Muskeln welche innen am Oberschenkel zum Becken ziehen, welche die über eine große Faszie von vorne am Beckenkamm ziehen. Immer wenn Muskeln in ihrer Funktion beeinträchtigt sind, können diese mit massiven Kräften das Skelett „schief stellen“.

Doch woher kommt nun die seitlich kippende Beckenbewegung, wenn man sich das Pferd im Gang von hinten ansieht?

Diese Bewegung entsteht hauptsächlich in der Brustwirbelsäule. Zusätzliche kleine Federungen kommen aus der Lendenwirbelsäule und den ISG. Aber die große, sichtbare Bewegung kommt von vorne. Ist nun diese „Beckenbewegung“ eingeschränkt, muss der Therapeut immer alles untersuchen, vor allem die Brustwirbelsäule, und nicht nur die Beckengelenke.

Darum ist es so wichtig über die Muskelketten zu arbeiten. Denn lassen diese in ihrer Spannung nach, können die darunter komprimierten Gelenke wieder zu ihrer physiologischen Bewegung finden.

Im Falle einer echten Subluxation des Kreuzdarmbeingelenks, muss es zu einem massiven Trauma gekommen sein, und das Pferd erleidet große Schmerzen. Die Theorie „das ISG ist raus, ich renke es schnell ein“ vertrete ich somit auf keinen Fall.

Generell spielt das ISG für mich persönlich keine große Rolle. Sehr oft blockieren allerdings die Übergänge der Lendenwirbelsäule mit dem Kreuzbein. Auch hier habe ich die größten Erfolge mit manueller Therapie, Massage und Bewegungstherapie. Noch eine Abbildung zum Abschluss dieses Übergangs:

LSÜ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hoffe ich konnte etwas aufklären und die übermäßige Bedeutung für das ISG in Rente schicken.