Die Blockierung

Was ist eigentlich eine Blockierung?

Eine Blockierung ist eine reversible (also „rückgängig zu machende“) Funktionsstörung eines Gelenkes. Es besteht also am Ort der Blockierung eine Bewegungseinschränkung. Nicht zu verwechseln mit der „Blockade“, welche eine Verknöcherung beschreibt, also nicht mehr rückgängig zu machen ist. Aus einer sehr lange bestehenden Blockierung kann sich eine Blockade entwickeln.

Ursachen einer Blockierung:

  • Zu viel Druck oder Verkantungkreis-transparent
  • Muskelzerrung, Muskelermüdung
  • Stoffwechselüberlastung
  • Zu viel Bewegung oder gar keine Bewegung
  • Sturz
  • Klemmender Sattel oder auch Reiter

Oftmals entstehen Blockierungen langsam durch immer wiederkehrende Reize. Diese sammeln sich und irgendwann wird die Blockierung manifest.

Die Blockierung wird in verschiedene Grade eingeteilt:

Grad 1: leichte Blockierung, kann sich selbst wieder lösen

Grad 2: deutliche Blockierung, bedarf einer Behandlung

Grad 3: starke Blockierung, später ggf. Verknöcherung

Anzeichen:

Anfangs gibt es nur leichte Anzeichen. Beispiel: In der engen Wendung macht das Pferd mehr Schritte als sonst oder kreuzt die Beine einfach vermehrt über die Mittellinie. Bei der Wendung hat man aber noch das Gefühl das es sich gut biegen lässt. Auch „schummeln“ genannt. Denn die Gelenke vor und hinter dem betroffenem Gelenk (in diesem Beispiel ein Wirbelsegment) übernehmen die Biegung. Wenn nun eines Tages die Belastung zu viel wird (Reitstunde zu lange, neuer Sattel, zu starke Reiterhand, Lektionen zu oft abgefragt, Zehen werden zu lang weil immer noch kein Termin mit dem Hufschmied ausgemacht wurde, Ausritt dauerte zu lange für den Trainingszustand, usw.) – dann kommt der Moment indem der Reiz zu viel wird.

Nun verspannen die Muskeln noch mehr als vorher, es blockieren dadurch noch ein paar mehr Gelenke – und die Blockierung ist nun bei Grad 2 angelangt. Der Pferdebesitzer wird sich am nächsten Tag wundern warum das Pferd „plötzlich“ so steif ist.

Als Therapeut erkenne ich am gesamten Muskelzustand ob die Blockierungen langsam entstanden sind oder ob es durch ein akutes Trauma geschehen ist. Überwiegend jedoch zeigt mir die tägliche Praxis das Bild der „langsam“ entstandenen Blockierung.

Unter der Ursache „akutes Trauma“ fallen dann tatsächlich Stürze auf der Koppel, oder aber auch ein „gut gemeinter Einrenkversuch“ ….

Wie lösen?

Blockierungen von Grad 1 lösen sich im Normalfall von selbst durch viel freie Bewegung auf der Koppel (Grasen, Wälzen, Bocken) sowie durch Wärme und für kurze Zeit vermindertes Training.

Grad 2 bedarf einer Behandlung. Allerdings keiner massiven „Einrenkung“ über lange Hebel, sondern durch ein ordentliches Aufwärmen der betroffenen Muskulatur vom Therapeuten. Dann kann die Blockierung durch setzen diverser Bewegungsreize/Reflexe vollständig gelöst werden. Praktiziert man dies auf kalter Muskulatur ist die Verletzungsgefahr sehr hoch.

Grad 3 ist wie gesagt eine sehr starke Blockierung und kann in die Verknöcherung übergehen.

Fazit:

Durch dauerhaften Zug eines Muskels (Verspannung/Verkürzung), durch zu wenig Arbeit (zu schwache Muskulatur, Pferd „hängt in den Bändern“ – was den Druck auf einer Gelenkfläche erhöht), durch ein Ungleichgewicht der Muskulatur, durch zu viel Belastung (was auch ein Arbeiten in „zu viel Dehnungshaltung“ oder zu viel „Aufrichtung“ meint), durch akutes Trauma, Muskelverletzungen oder schlechtsitzendes Equipment können also Blockierungen entstehen.

Geben wir dem Pferd ausreichend natürliche Bewegung und ein dauerhaftes, an seinen Trainingszustand angepasstes Training, so vermeiden wir dieses Problem. Hierbei spielt auch die Abwechslung eine große Rolle. Unterschiedliche und Unebene Böden, wie wir sie im Gelände finden, trainieren optimal die Muskulatur und dadurch auch die Festigkeit und Elastizität der Gelenkkapseln, Bänder und Sehnen. Zudem werden die Gelenke im vollen physiologischen Ausmaß bewegt. Dies regt wiederum die Bildung der Gelenkschmiere an, den Stoffwechsel und dadurch die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus.

 

Gerne erstelle ich Ihnen Trainingspläne auf Sie und Ihr Pferd individuell abgestimmt. Dies setzt eine ausführliche Befundaufnahme voraus und es werden meist ein paar Therapieeinheiten benötigt. Ich nehme immer gerne das Beispiel am Menschen:

Haben wir Schmerzen z.B. im Rücken (und es handelt sich „nur“ um Blockierungen), dann wird es uns helfen, wenn wir von einem Physiotherapeuten gelockert werden und danach die „Hausaufgaben“ der Bewegung befolgen. Schon bald werden wir keine Schmerzen mehr haben. Werden wir gelockert und fallen wieder in die alten, „schlechten“ Bewegungsmuster zurück, so werden wir kurz darauf wieder Schmerzen haben.

Genauso ist es beim Pferd. Ich kann Ihrem Pferd zu einer verbesserten Bewegung und Schmerzfreiheit verhelfen – aber Sie sind der Trainer Ihres Pferdes. Sie setzen die wichtigen Impulse für die Bewegung. Und Bewegung ist Leben.